Karate - Nur Kampfkunst oder auch Gesundheitssport?

Thomas GeeseDarlegung therapeutischer Aspekte und trainingswissenschaftlicher Grundlagen im Karate-Sport von Thomas Geese

Autor: Thomas Geese, Jahrgang 1989, praktiziert als Sportphysiotherapeut in Roggendorf bei Gadebusch. Seit seinem sechsten Lebensjahr trainiert er Karate und ist Träger des 2. Dan. Neben seinem Beruf ist Thomas Geese langjähriger ehrenamtlicher Trainer in unserem SHOSHIN-DOJO in Lützow.

5. Allgemeine Ausdauer – Kardiopulmonale Aspekte

Ein wichtiger Aspekt für einen Gesundheitssport ist ohne Zweifel die Verbesserung der Grundlagenausdauer. Als vorrangige Ziele sind hier eine Verminderung der Herzfrequenz in Ruhe und unter Belastung, eine Vergrößerung des Schlagvolumens, Erhöhung der Sauerstoffaufnahme im Blut und eine Verbesserung des Zellstoffwechsels zu nennen

Okazaki und Stricevic zitieren hierzu eine Studie des Brooklyn Centers der Long Island Universität im Jahr 1978, die darlegt, dass während des Karatetrainings ein breites Belastungsspektrum auftritt. Das Alter der 18- bis 45-jährigen Karateka spielte in dieser Studie eine untergeordnete Rolle. Jedoch zeigt sich auch bei der Ausdauerleistung eine positive Beeinflussung durch sportliche Aktivitäten, so dass eine Steigerung auch noch bis in höhere Lebensalter möglich ist.

Die Ergebnisse von Okazaki und Stricevic spiegeln sich auch in den von uns während des Trainings gemessenen Herzfrequenzen wieder. Abbildung 7 zeigt die Herzfrequenz eines erfahrenen Karateka während eines typischen Karatetrainings (rot). Zum Vergleich ist die Herzfrequenz desselben Karatekas während eines normalen Lauftrainings (blau) hinterlegt. In beiden Trainingseinheiten beträgt die mittlere Belastung ungefähr 140 Schläge in der Minute, was im mittleren aeroben Trainingsbereich liegt. Im Vergleich zum Lauftraining, das durch seine relativ konstante Herzfrequenz eine gleichmäßige Belastung vermuten lässt, tritt im Karatetraining ein deutlich breiteres Pulsspektrum mit anaeroben Spitzen auf. Diese unterschiedlichen Belastungsniveaus entsprechen dem Trainingsprinzip einer variablen Dauermethode (Fahrtspiel) oder eines extensiven Intervalltrainings.

Trainingspuls
Abbildung 7: Herzfrequenz eines Karateka des SHOSHIN-DOJO im Karatetraining (rot) und im Lauftraining (blau); (1) Einlaufen, (2) Sprints, (3) Dehnungsübung, (4) Technik-Grundschule (Kihon) langsam, (5) Kihon stark, (6) Formen (Kata)

So wird im Training gezielt ein Reiz gesetzt, der einen systematischen Wechsel von Belastung und Erholung anstrebt, wobei die Erholungsphase nicht zu einer vollständigen Regeneration ausreicht. Beim extensiven Intervalltraining wird die Intensität auf 60-80% der maximalen Leistungsfähigkeit angestrebt. Es werden Belastungen im aeroben-anaeroben Grenzbereich erzielt, um die anaerobe Schwelle hoch zusetzen, was sich positiv auf die Laktattoleranz auswirkt.

Diese Methode führt, angepasst auf die jeweilige Trainingsgruppe (Alter und Leistungsstand), zu einer Beschleunigung der Erholungsfähigkeit. Zudem setzt das Intervalltraining sehr günstige Reize auf die FT-Fasern (schnell kontrahierende Muskelfasern). Durch die physiologischen Gegebenheiten der FT-Fasern (viele Motoneurone) sind diese in der Lage schneller Kraft zu entwickeln, im Vergleich zu den ST-Fasern (langsam zuckende Fasern).